Im Grunde verhält es sich mit Wildbienen ähnlich wie mit Kindern. Manche essen alles, viele essen nur Nudeln und einige essen außer Spaghetti nichts. Hauptsache es ist für alles etwas da. Warum das so nicht zu hundert Prozent auf Wildbienen übertragbar ist, es aber gewisse Parallelen gibt, erfahren Sie auf dieser Seite.

Die Lebensweise der Wildbienen ist ein hochkomplexer Vorgang. Der Biologe Dr. Paul Westrich hat zu diesem Thema immerhin ein ca. 800 Seiten umfassendes Buch (siehe weiterführende Literatur) verfasst. Wer sich nicht so intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet auf dieser Seite die für mich wichtigsten Informationen, die für eine Unterstüzung von Wildbienen im privaten Bereich (durch Anpflanzungen) ausreichend sind.

Es gibt in Deutschland ca. 550 bis 600 Wildbienenarten. Davon leben die meisten solitär und legen Brutzellen an, sind also Einzelgänger. Andere, wie zum Beispiel die verschiedenen Hummelarten, bauen Nester. Sie alle haben eins gemeinsam, sie benötigen Nektar und Pollen.

Blühende Pflanzen (nicht alle) stellen Nektar und (oder) Pollen zur Verfügung. Ausgedrückt wird das durch den Nektar- und Pollenwert. Grundsätzlich gilt, je höher desto besser. In der Literatur werden diese Werte oft in eine Skala von 0 (kein Nektar oder Pollen) bis 4 (Maximalwert) eingeteilt.

Drei Beispiele für unterschiedliche Nektar- und Pollenwerte!

Nektar wird von den Wildbienen als Energiequelle benötigt, also um zu leben. Der Pollen hingegen übernimmt die Funktion, den Fortbestand der eigenen Art zu sichern. In den Brutzellen oder Nestern ist er die Grundlage für die Nachkommen (Entwicklung vom Ei zur Biene) der verschiedenen Arten.

Ohne Pollen kein Überleben der Art!

Ei auf Pollenvorrat
Darstellung Wildbienenei auf Pollenvorrat
Brutzelle
Darstellung der Bruthöhle einer Wildbiene
Hummelnest
Darstellung eines Hummelnestes am Boden

 

Hinsichtlich des Sammelns von Pollen unterscheiden sich die verschiedenen Wildbienenarten dabei wesentlich. Es wird in drei Arten (ähnlich den oben aufgeführten Gruppen von Kindern) unterschieden:

 

Info

Diese Pollensammler gibt es!

  • Polylektische Wildbienen

     (sind nicht auf bestimmte Pflanzen spezialisiert)

 

  • Oligolektische Wildienen

     (sind auf eine Pflanzenfamilie spezialisiert)

 

  • Streng oligolektischen Wildbienen

     (sind auf eine bestimmte Pflanze spezialisiert)

Diese Kenntnisse reichen meiner Ansicht nach aus, um Pflanzungen vorzunehmen, die den Wildbienen eine wirkliche Hilfe sind. Es ist zwingend erforderlich, vor allem für die oligolektischen bzw. die streng oligolektischen Arten, Pflanzen der verschiedensten Pflanzenfamilien anzupflanzen, da die für diese Arten passenden Pflanzen nur durch eine hohe Pflanzenvielfalt bereitgestellt werden können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, eine durchgängige Blühfolge (Februar bis Oktober) im Jahr abzudecken, da die verschiedenen Wildbienenarten zu unterschiedlichen Zeiten (siehe Wildbienenkalender) im Jahr auf Nektar- bzw. Pollensuche gehen. Insbesondere die Hummeln, welche im Gegensatz zu anderen Wildbienenarten weder Stärke noch Fette speichern können*, sind auf eine durchgängige Versorgung mit Nektar angewiesen. Frühblühende Pflanzen spielen unter anderem für Hummelköniginnen (Hummeln - polylektisch) eine bedeutende Rolle, da sie bereits im Spätwinter aus ihrem Winterschlaf erwachen können und dann unmittelbar auf blühende Pflanzen angewiesen sind. Dieser Punkt wurde bei der Bewertung der Pflanzen berücksichtigt.

Zu guter Letzt lohnt sich auch ein Blick auf die Nektar- und Pollenwerte der Pflanzen, es können zusätzlich zu den beiden genannten Kriterien (verschiedene Pflanzenfamilien, Blühfolge) Pflanzen gewählt werden, welche einen hohen Nektar- und (oder) Pollenwert aufweisen. Die erstgenannten Aspekte sollten meiner Ansicht nach jedoch vorrangig, bei Ihren Überlegungen zu Anpflanzungen, berücksichtigt werden. Aber eines ist meiner Meinung nach noch wichtiger und das finden sie hier.

Wenn Sie die hier genannten Punkte beherzigen, können auch Sie vielen Wildbienenarten bei ihrer Suche nach Nektar und Pollen (quantitativ und qualitativ) behilflich sein.

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Sie sollten in keinem Garten fehlen!

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